Beiträge zum Schlagwort: Wohngebäude

01Mai/20
Zeichnung vom Umriss der Innenstadt Münster

Münster verbes­sert Förde­rung Altbau­sa­nie­rung und Neubauten

In der Stadt Münster tritt mit Wirkung zum 1. Mai 2020 eine neues Förder­pro­gramm »Klima­freund­liche Wohn­ge­bäude der Stadt Münster« in Kraft. Die jähr­liche Gesamt­för­der­summe ist gegen­über den Vorjahren auf 4,5 Millionen € verzehn­facht worden. Seit 20 Jahren liegt der Schwer­punkt der städ­ti­schen Förde­rung auf der Altbau­sa­nie­rung. Nun begüns­tigt die Stadt Münster auch Neubauten und die Instal­la­tion von Anlagen zur Nutzung erneu­er­barer Ener­gien. Damit wird das etablierte Förder­pro­gramm »Ener­gie­ein­spa­rung und Altbau­sa­nie­rung in der Stadt Münster« abge­löst und erwei­tert.

1. »Förder­bau­stein Altbau­sa­nie­rung«

Die etablierte Förde­rung von Dämm­maß­nahmen über gestaf­felte Zuschüsse pro Quadrat­meter verbes­serter Fläche der Gebäu­de­hülle bleibt erhalten. Die Anfor­de­rungen an die Dämm­qua­li­täten bleiben unver­än­dert – ebenso Zuschläge für ökolo­gi­sche Dämm­stoffe. Das Bonus­system für ganz­heit­liche Dämm­maß­nahmen wird erwei­tert. Neu sind Förde­rungen im Bereich der Anla­gen­technik wie Heizungs­aus­tauch­pau­schalen oder die Förde­rung einer Foto­voltaik­anlage bei gleich­zei­tiger Dach­däm­mung. Es werden nun auch neuere Gebäude geför­dert: Diese müssen vor dem 1. Januar 2002 bezugs­fertig gewesen sein – vorher galt der Stichtag 1. Januar 1995. Wegge­fallen ist die Größen­be­gren­zung auf Wohn­flä­chen in Eigen­heimen von unter 150 qm. Zusätz­lich kann ein vorzei­tiger Baube­ginn nun geneh­migt werden, sodass mit der Geneh­mi­gung keine Nach­teile für die Förder­mittel entstehen.

Die Kopp­lung an eine vorhe­rige unab­hän­gige Energie­beratung bleibt eben­falls bestehen: Es muss ein Gutachten nach den Krite­rien der BAFA-Energie­beratung für Wohn­ge­bäude erstellt werden.

Ebenso müssen bedarfs­ba­sierte Ener­gie­aus­weise vor und nach der Sanie­rung vorge­legt werden.

Insge­samt entstehen dem Antrags­steller nur geringe Kosten: Für ein typi­sches Einfa­mi­li­en­wohn­haus beträgt der zu tragende Eigen­an­teil etwa 350 €.

Anschlag auf Litfaßsäule für geförderte Altbausanierung Münster
Münster wirbt für geför­derte Altbau­sa­nie­rung

Ebenso müssen bedarfs­ba­sierte Ener­gie­aus­weise vor und nach der Sanie­rung vorge­legt werden.

Insge­samt entstehen dem Antrags­steller nur geringe Kosten: Für ein typi­sches Einfa­mi­li­en­wohn­haus beträgt der zu tragende Eigen­teil etwa 350 €.

Geför­dert werden (Auszüge):

  • Dämmung des Daches oder der obersten Geschoss­decke
  • Einbau neuer Fenster und Außen­türen
  • Außen­wand­däm­mung
  • Kern­däm­mung
  • Innen­wand­däm­mung
  • Dämmung der Keller­decke oder des untersten Geschoss­bo­dens
  • Heizungs­aus­tausch
  • Einbau ener­gie­spa­render Lüftungs­an­lagen
  • Einen Bonus gibt es für den Einsatz ökolo­gi­scher oder umwelt­freund­li­cher Dämm­stoffe
  • Eben­falls gibt es einen Bonus bei »ganz­heit­li­cher Gebäu­de­däm­mung«
  • Ein Lüftungs­kon­zept, eine Luft­dicht­heits­mes­sung und »die Opti­mie­rung des Heizungs­sys­tems über die Durch­füh­rung eines hydrau­li­schen Abgleichs« werden eben­falls bezu­schusst.

2. »Förder­bau­stein Effi­zienz im Neubau«

Große Verän­de­rungen gibt es bei dem Förder­bau­stein Neubau. Die bishe­rige Förde­rung der ener­ge­ti­schen Quali­täts­si­che­rung wurde auf 1100 € verdop­pelt. Zusätz­lich gibt es nun eine Förde­rung in Höhe von 21000 € für ein Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­haus oder 10000 € je Wohn­ein­heit, maximal jedoch 40000 € je Gebäude. Dazu muss der Trans­missions­wärme­ver­lust des Neubaus die Vorgaben der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung EnEV um mindes­tens 40 Prozent unter­schreiten. In der KfW-Sprache würde dies ein Ener­gie­ef­fi­zi­enz­haus 45 darstellen, aber nur in Bezug auf den H’T (»Spezi­fi­scher Trans­mis­si­ons­wär­me­ver­lust­kof­fef­fi­zient« = Mittel­wert für die Dämm­qua­lität der Gebäu­de­hülle inkl. der Wärme­brü­cken), nicht den QP (»Primär­ener­gie­be­darf« = Umwelt­be­las­tung durch die Verwen­dung von Energie für Heizen und Brauch­warm­wasser). Eine Kumu­la­tion mit Förder­mit­teln der KfW ist ausdrück­lich nicht möglich.

Wenn das Land Nord­rhein-West­falen einem Haus­halt Wohn­raum­för­de­rung für ein neues Eigen­heim bewil­ligt, gibt es einen weiteren Zuschuss von 4000 €.

3. »Förder­bau­stein Erneu­er­bare Ener­gien«

Bisher wurden in der Richt­linie ledig­lich Foto­vol­ta­ik­an­lagen mit statio­nären Batte­rie­spei­cher­sys­temen geför­dert.

Nun soll auch der sinn­volle Einsatz erneu­er­barer Ener­gien zur Wärme­ver­sor­gung und der Ausbau der Foto­voltaik in Berei­chen, in denen die Förde­rung nach Erneu­er­bare-Ener­gien-Gesetz EEG nicht gut greift, vermehrt ange­stossen werden.

Die Maßnahmen sind sowohl an bestehenden als auch an neu zu errich­tenden Gebäuden förder­fähig.

Anschlag auf Litfaßsäule für geförderte Fotovoltaik in Münster
Münster fördert Foto­vol­ta­ik­an­lagen

Nun soll auch der sinn­volle Einsatz erneu­er­barer Ener­gien zur Wärme­ver­sor­gung und der Ausbau der Foto­voltaik in Berei­chen, in denen die Förde­rung nach Erneu­er­bare-Ener­gien-Gesetz EEG nicht gut greift, vermehrt ange­stossen werden.

Die Maßnahmen sind sowohl an bestehenden als auch an neu zu errich­tenden Gebäuden förder­fähig.

Kombi­na­tion mit weiteren Förder­pro­grammen

Die »Kumu­la­tion« – so die Förder­fach­sprache für die Kombi­nier­bar­keit – mit vielen weiteren Förder­pro­grammen ist zulässig. Die wich­tigsten sind:

  • »Ener­gie­ef­fi­zient Sanieren« der KfW (151÷152 oder 430) mit Tilgungszuschüssen/​Zuschüssen ab 20 Prozent
  • »Erneu­er­bare Ener­gien« vom BAFA mit Zuschüssen von 20 Prozent bis 45 Prozent
  • »Proges« des Landes NRW mit Zuschüssen für diverse Anla­gen­tech­niken (zum Beispiel 90 €/​qm Solar­kol­lek­tor­fläche)

Das sind bei weitem noch nicht alle Programme, die bei der Altbau­sa­nie­rung, beim Neubau oder der Sanie­rung der Heizungs­an­la­gen­technik in Frage kommen. Die Kumu­lier­bar­keit ist zwar häufig möglich, folgt aber auch bestimmten Regeln. Im Rahmen von Ener­gie­be­ra­tungen werden Sie dazu ausführ­lich beraten, um Ihre Maßnahmen quali­tativ und förder­tech­nisch zu opti­mieren.

Energie­beratung ist wichtig

Ausgangs­punkt sollte immer eine Energie­beratung sein. Wir erklären Ihnen die Vorge­hens­weise und die Förde­rung unsere Leis­tungen. Für die Förde­rung durch die Stadt Münster ist diese zwin­gend notwendig, und die KfW empfiehlt die vorhe­rige Energie­beratung eben­falls. Ohne fundierte Kennt­nisse über Ihr Gebäude und Ihre Vorhaben, die mit der Bera­tung erlangt werden, ist keine Opti­mie­rung möglich.

Das Planungs­büro ENTECH erläu­tert gerne die Richt­linie. Einen ersten Über­blick, der auch die Verän­de­rungen gegen­über der alten Richt­linie über­sicht­lich darstellt, finden Sie hier in der Gegen­über­stel­lung.

Als zerti­fi­zierte Experten für Ener­gie­effi­zienz leiten wir Sie durch das Antrags­ver­fahren und leisten die Energie­beratung, die teils in diesem Förder­pro­gramm zwin­gend vorge­schrieben ist.

Hier stellen wir Ihnen wich­tige Antrags­un­ter­lagen zur Verfü­gung:

Gegenüberstellung der alten und neuen Richtlinie
Über­sicht­liche Gegen­über­stel­lung der alten und neuen Richt­linie
14Feb/20
Mehrfamilienhaus mit Sanierungsbedarf

BAFA Zuschüsse steigen für Energie­beratung Wohn­ge­bäude

Unter dem Strich werden Ener­gie­be­ra­tungen für Wohn­ge­bäude güns­tiger etwa für Eigen­tümer, Wohnungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaften und Pächter: Die Bundes­för­de­rung für Energie­beratung für Wohn­ge­bäude (EBW) ist zum 1. Februar gestiegen. Das Bundesamt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kon­trolle BAFA erhöht den Zuschuss für Ener­gie­be­ra­tungen bei Wohn­ge­bäuden (Vor-Ort-Bera­tung, indi­vi­du­eller Sanie­rungs­fahr­plan) von 60 Prozent auf 80 Prozent des anfal­lenden Hono­rars vom Ener­gie­be­rater.

Für ein Einfa­mi­lien- oder Zwei­fa­mi­li­en­haus liegt die Ober­grenze bei 1300 €: Damit fließen bis zu 500 € mehr für diese Art der Förde­rung. Ab drei Wohn­ein­heiten unter­stützt das BAFA die Energie­beratung mit maximal 1700 € statt bisher 1100 €.

Wenn der quali­fi­zierte Ener­gie­be­rater den Bericht und einen zuge­hö­rigen Sanie­rungs­fahr­plan auf einer Wohnungs­ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung erläu­tert, bietet das BAFA eine einma­lige Zuwen­dung von höchs­tens 500 €. Diese Präsen­ta­tion soll den Eigen­tü­mern helfen, ihre unter­schied­li­chen Inter­essen mitein­ander abzu­stimmen und die passende Moder­ni­sie­rung ihres Wohn­ge­bäudes zu verein­baren.

Der Eigen­an­teil für die Energie­beratung kann durch zusätz­liche Förde­rungen von Kommunen oder Bundes­län­dern auf zehn Prozent des Hono­rars schrumpfen – dieser Rest ist immer aus eigener Tasche zu zahlen.

Damit das BAFA die Förde­rung geneh­migt, muss das Wohn­ge­bäude in Deutsch­land liegen und der Bauan­trag vor mindes­tens zehn Jahren gestellt worden sein – damit ersetzt der neue Zeit­rahmen die bislang feste Datums­grenze des Bauan­trags 31. Januar 2002. Zudem müssen Kleine und Mitt­lere Unter­nehmen KMU die Leis­tungen für die Energie­beratung auf ihre soge­nannten De-Minimis-Beihilfen anrechnen lassen. Größere Unter­nehmen nach EU-Defi­ni­tion sind von dieser Förde­rung ausge­schlossen. Hingegen können Einrich­tungen für gemein­nüt­zige, mild­tä­tige oder kirch­liche Zwecke ebenso die Vor-Ort-Bera­tung nutzen.

Nach dem Auftrag für die Vor-Ort-Bera­tung stellt der Ener­gie­be­rater den Förder­an­trag im Namen des Kundens, auf den also kein zusätz­li­cher Stress durch Formu­lare wartet. Die Abrech­nung läuft ähnlich unbü­ro­kra­tisch: Eine Vorleis­tung für das Gesamt­ho­norar entfällt – es ist ledig­lich der Eigen­an­teil zu über­weisen. Der Ener­gie­be­rater erhält den Zuschuss direkt vom BAFA, nachdem er seine Aufgaben erle­digt hat.

Sanierungsbedürftiges Zweifamilienhaus mit Flecken und Algenbewuchs auf dem hellen Putz
Vor-Ort-Bera­tung liefert Hinweise für sinn­volle Sanie­rung

Die Vor-Ort-Bera­tung geht weit über die Erhe­bungen für einen Ener­gie­aus­weis hinaus: Sie führt zu detail­lierten Infor­ma­tionen und Vergleichs­mög­lich­keiten, um den Ener­gie­ver­brauch nach­voll­ziehen und bewerten zu können. Auf Basis einer umfas­senden Bestands­auf­nahme erfährt der Kunde, wie er sein Wohn­ge­bäude in ein KfW-Effizienz­haus umge­stalten kann. Alter­nativ kann er einen indi­vi­du­ellen Sanie­rungs­fahr­plan zur Opti­mie­rung der Ener­gie­effi­zienz erhalten – mit diesen Vorschlägen lassen sich sinn­volle Maßnahmen zur ener­ge­ti­schen Sanie­rung Schritt für Schritt erle­digen.

Die Vor-Ort-Bera­tung hilft, kein Geld für ineff­zi­ente Arbeiten am Wohn­ge­bäude zu verschwenden. Dabei weist der Ener­gie­be­rater auf KfW-Förder­pro­gramme etwa zur Sanie­rung (beson­ders Programme 151 und 430) oder zur quali­täts­si­chernden Baube­glei­tung hin. Bei der Baube­glei­tung (Programm 431) über­nimmt die KfW bis zu 4000 € von der Hälfte der Kosten eines Experten für Ener­gie­effi­zienz.

Indes exis­tiert keine Pflicht, anschlie­ßend die vorge­schla­genen Maßnahmen durch­zu­führen. Doch wenn der Bauherr Zuschüsse oder Kredite für solch ein Vorhaben bean­sprucht, empfiehlt die KfW eine Vor-Ort-Bera­tung für den Einstieg in das Projekt. Ohnehin ist zum Beispiel in Münster diese Energie­beratung für Wohn­ge­bäude vorge­schrieben, damit die Stadt weitere Zuschüsse bewil­ligt.

Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf: Zusammen mit Ihnen erstellen wir den Fahr­plan zu effi­zi­enten Maßnahmen und opti­malen Förder­mit­teln.

18Okt/19
Alte Fenster mit beschädigten und schmutzigen Rahmen

Bundes­re­gie­rung will Steu­er­vor­teile für Sanie­rungen in Gesetz schreiben

Die Bundes­re­gie­rung hat Mitte Oktober beschlossen, ener­ge­ti­sche Sanie­rungen von selbst genutzten Wohn­ge­bäuden ab 1. Januar 2020 steu­er­lich zu fördern. Die bishe­rigen Kredit- und Zuschuss­pro­gramme sollen weiter laufen und alter­nativ zur Verfü­gung stehen.

Die Ände­rung im Steu­er­recht gehört zu den Reformen des »Klima­schutz­pro­gramms 2030«: Bereits Ende September enthielten die ersten »Eckpunkte« das Ziel, dass »Gebäu­de­be­sitzer aller Einkom­mens­klassen« ihre Aufwen­dungen für Sanie­rungen steu­er­lich absetzen können. Jetzt will die Bundes­re­gie­rung das Einkom­men­steu­er­ge­setz für »zu eigenen Wohn­zwe­cken genutzte Gebäude« ergänzen, sofern sie mindes­tens zehn Jahre alt sind.

Danach können künftig 20 Prozent der Gesamt­kosten für mehrere Einzel­maß­nahmen von der Steu­er­schuld abge­zogen werden – maximal 40.000 Euro pro Objekt, über drei Jahre nach festen Prozent­sätzen verteilt. Die Arbeiten müssen vor dem 1. Januar 2030 abge­schlossen werden. Aber »Voll­sa­nie­rungen sind mit dem Instru­ment der Steu­er­ermä­ßi­gung nicht abge­deckt«, kriti­sierte die Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band vzbv einen früheren Refe­ren­ten­ent­wurf aus dem Finanz­mi­nis­te­rium.

Als steu­er­lich abzugs­fä­hige Einzel­maß­nahmen gelten:

  1. Wärme­däm­mung von Wänden
  2. Wärme­däm­mung von Dach­flä­chen
  3. Wärme­däm­mung von Geschoss­de­cken
  4. Erneue­rung der Fenster oder Außen­türen
  5. Erneue­rung oder Einbau einer Lüftungs­an­lage
  6. Erneue­rung der Heizungs­an­lage
  7. Einbau von digi­talen Systemen zur ener­ge­ti­schen Betriebs- und Verbrauchs­op­ti­mie­rung
  8. Opti­mie­rung bestehender Heizungs­an­lagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind

Der Para­graf zur ener­ge­ti­schen Gebäu­de­sa­nie­rung schließt Eigen­leis­tungen aus: »Voraus­set­zung für die Förde­rung ist, dass die jewei­lige ener­ge­ti­sche Maßnahme von einem Fach­un­ter­nehmen ausge­führt wurde«. Welche Anfor­de­rungen solch ein Fach­un­ter­nehmen erfüllen muss und welchen Stan­dards die Einzel­maß­nahmen folgen – das soll bald eine Verord­nung klären, damit die steu­er­li­chen Regeln der geplanten Bundes­för­de­rung für effi­zi­ente Gebäude BEG entspre­chen.

Lustige Figuren Handwerker
Sanie­rung steu­er­lich absetzen nur bei Einsatz von Fach­un­ter­nehmen Bild: Alexas_​Fotos | Pixabay

Diese Verord­nung könnte nicht weit genug reichen, befürchtet die Verbrau­cher­zen­trale. Sie forderte in ihrer Stel­lung­nahme beim Finanz­mi­nis­te­rium: »Darüber hinaus muss sicher­ge­stellt werden, dass die durch­ge­führten Maßnahmen bautech­nisch bezie­hungs­weise ener­gie­tech­nisch sinn­voll sind«. Mehrere Maßnahmen für ein Gebäude müssten aufein­ander abge­stimmt werden, so die vzbv: Ein Experte außer­halb des Fach­un­ter­neh­mens solle sie vorab »durch eine unab­hän­gige Bera­tung als geeignet bestä­tigen«. Ob die ange­kün­digte Verord­nung diese vorge­schal­tete Bera­tung verlangen wird, bleibt bislang offen.

Über eine zusätz­liche Baube­glei­tung meint der Bundes­ver­band der Gebäu­de­en­er­gie­be­rater, Inge­nieure, Hand­werker GIH auf Twitter: »#Ener­gie­be­rater muss bei Einzel­maß­nahmen  (über KfW und steuerl. Abschrei­bung) durch Baube­glei­tung invol­viert bleiben. So wird mehr & besser saniert.«

Das Deut­sche Ener­gie­be­rater-Netz­werk DEN erläu­tert in einer Pres­se­mit­tei­lung die aktu­elle Situa­tion: »Bereits heute können quali­fi­zierte Hand­werks­un­ter­nehmen Einzel­maß­nahmen im KfW-Programm gleich­zeitig ausführen und Bestä­ti­gungen für eine Förde­rung erstellen«. Private Bauherren profi­tierten laut DEN von einer »Baube­glei­tung durch unab­hän­gige Experten«, die bis jetzt über die KfW geför­dert werde.

In einem News­letter bestä­tigt das Wirt­schafts­mi­nis­te­rium, dass die Reform ausschließ­lich Einzel­maß­nahmen betreffe: »Die komplette Sanie­rung von Gebäuden zu soge­nannten Effi­zi­enz­häu­sern (solche mit beson­ders geringem Ener­gie­be­darf) wird auch weiterhin nur über die inves­tiven Gebäu­de­pro­gramme des BMWi geför­dert«.

Dagegen protes­tieren neun Verbände wie die Bundes­ar­chi­tek­ten­kammer, DEN, GIH und Verbrau­cher­zen­trale. In einem gemein­samen »Appell an das Bundes­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Energie« meinen sie, dass die Einschrän­kung »umfas­sende Gesamt­sa­nie­rungen schlechter« stelle und somit stär­keren Einsatz für den Klima­schutz bestrafe: Statt­dessen sollten demnächst ebenso »Moder­ni­sie­rungen auf Effizienz­haus-Niveau – alter­nativ zu den KfW-Programmen und mit den glei­chen Anfor­de­rungen und Förder­höhen – steu­er­lich geför­dert werden«.

Neun Logos von Interessenvertretungen zur Energieberatung
Orga­ni­sa­tionen fordern Korrek­turen für Wohn­ge­bäude im Klima­schutz­pro­gramm

In der Pres­se­mit­tei­lung seines Netz­werks erwartet Hermann Danne­cker aus dem DEN-Vorstand, dass die kommende Rechts­ver­ord­nung der Bundes­re­gie­rung zu deut­li­chen Verbes­se­rungen führe: Er hofft auf »seriöse, lang­fris­tige Rand­be­din­gungen«, die wiederum »hohe Konti­nuität und Plan­bar­keit erlauben und dem Ziel des klima­scho­nenden Sanie­rens gerecht werden«.

Das Planungs­büro ENTECH hat den Eindruck gewonnen, dass die Diskus­sion über Gebäu­de­sa­nie­rungen im »Klima­schutz­pro­gramm 2030« nicht genü­gend eine vorge­schal­tete Energie­beratung aufgreift: Eine Baube­glei­tung hilft Gebäu­de­be­sit­zern bei der Umset­zung. Aber eine recht­zei­tige Koor­di­na­tion von Maßnahmen durch eine Energie­beratung führt dazu, dass mehr Maßnahmen als geplant reali­siert werden und der Kunde schließ­lich die laufenden Kosten stärker als erwartet senken kann. Zudem erfolgt eine Förder­mit­tel­op­ti­mie­rung im Rahmen der Bera­tung. Die Stadt Münster hat in ihrem eigenen Förder­pro­gramm gute Erfah­rungen gemacht, zur Bewil­li­gung einer Förde­rung zur Altbau­sa­nie­rung eine unab­hän­gige BAFA-Energie­beratung zu verlangen.

25Sep/19
Gegensatz zwischen modernisierter und unsanierter Hausfassade

Bundes­re­gie­rung plant Pflicht zur Energie­beratung für Wohn­ge­bäude

Die Bundes­re­gie­rung will Eigen­tümer von Wohn­ge­bäuden verpflichten, dass sie »zu bestimmten Anlässen« eine Energie­beratung durch­führen lassen: Sie verlangt künftig eine indi­vi­du­elle Bera­tung durch einen Experten etwa bei einem Eigen­tü­mer­wechsel. Damit reichen die neuen Regeln weiter als die bishe­rigen Vorschriften zur Vorlage eines Ener­gie­aus­weises. Der Plan gehört zu den »Eckpunkten für das Klima­schutz­pro­gramm 2030« vom 20. September 2019.

Die gefor­derte Energie­beratung soll Eigen­tümer von Wohn­ge­bäuden finan­ziell nicht stärker belasten, heißt es in der Zusam­men­fas­sung des soge­nannten Klima­ka­bi­netts: »Die Kosten werden über die bestehenden Förder­pro­gramme gedeckt«. Das Bundes­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Energie will in seiner Kampagne »Deutsch­land macht’s effi­zient« stärker auf die Bedürf­nisse von Wohnungs­ei­gen­tü­mern eingehen und sie deut­li­cher infor­mieren, wie sie von der Energie­beratung und der ener­ge­ti­schen Moder­ni­sie­rung profi­tieren.

Diagramm: Ansatzpunkte für Energieberatung bei Wohngebäuden
Ansatz­punkte für Energie­beratung bei Wohn­ge­bäuden. Bild: dena

Bislang nennt die Bundes­re­gie­rung keine Details für die Ände­rungen bei der Energie­beratung und der Öffent­lich­keits­ar­beit über die Sanie­rungen, sondern erstellt zunächst eine Stra­tegie. Jürgen Leppig vom Bundes­ver­band »Gebäu­de­en­er­gie­be­rater, Inge­nieure, Hand­werker (GIH) e.V.« sagt über die Ankün­di­gungen: »Das Förder­pro­gramm ›Energie­beratung für Wohn­ge­bäude‹ präsen­tiert sich nicht nur deut­lich verbes­sert, sondern wird bei einschnei­denden Anlässen wie einem Eigen­tü­mer­wechsel auch verpflich­tend«. Der Vorsit­zende erwartet zudem, dass »mehr Haus­be­sitzer umfäng­lich beraten und mit ganz­heit­li­chen Konzepten für sinn­volle ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rungen ausge­stattet werden«.

Dazu aus dem Klima­schutz­paket: »Die stagnie­rende Sanie­rungs­rate macht deut­lich, dass vielen Gebäu­de­ei­gen­tü­mern die Moti­va­tion fehlt, ihr Haus ener­ge­tisch sanieren zu lassen«. Daher soll die Energie­beratung durch folgende Maßnahmen gestärkt werden:
· Erhö­hung der Förde­rung in der „Energie­beratung für Wohn­ge­bäude (EBW)“ auf bis zu 80% Zuschuss (bislang 60%);
· Moder­ni­sie­rungs­emp­feh­lungen durch eine geför­derte Energie­beratung für die Erstel­lung eines Ener­gie­aus­weises (Bedarfs­aus­weis) nutzen;
· Energie­beratung anknüp­fend an Immis­si­ons­mes­sungen durch quali­fi­zierte Schorn­stein­feger adres­sieren;
· Weitere Anlässe für eine quali­fi­zierte Bera­tung nutzen (u.a. Heizungs­tausch, Nutzung von Syner­gie­ef­fekten mit barrie­re­freiem Umbau oder Einbruch­schutz).

Wir erwarten und hoffen, dass die Verant­wor­tung nach der Reform beim Bundesamt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kon­trolle BAFA liegt – mit dem bewährten und unkom­pli­zierten Förder­pro­gramm »Vor-Ort-Bera­tung«: Bereits jetzt erhalten zum Beispiel Eigen­tümer einen Zuschuss, wenn sie frei­willig einen Auftrag für ihr Wohn­ge­bäude einem zuge­las­senen Ener­gie­be­rater erteilen.

Beitrags­bild in der Seiten­leiste: Gegen­satz zwischen moder­ni­sierter und unsa­nierter Haus­fas­sade. KfW-Bild­ar­chiv | photothek.net

10Apr/19

Mieter­strom-Werk­statt

Die Mieter­strom-Werk­statt | Ideen, Anlei­tungen und Praxis­bei­spiele

Lösungs­an­sätze zur Geschäfts­feld­ent­wick­lung für Ener­gie­ver­sorger und Stadt­werke

Aus der Veran­stal­tungs­an­kün­di­gung:

Mieter­strom, sei es auf Basis von PV oder als KWK-Lösung, wird viel disku­tiert aber nur wenig umge­setzt. Während sich laut einer BMWi-Studie der Prognos AG und der Anwalts­kanzlei BH&W in Deutsch­land ca. 370.000 Wohn­ge­bäude mit ca. 3,8 Millionen Wohnungen grund­sätz­lich für Mieter­strom eignen, werden kaum Mieter­strom­mo­delle reali­siert. Weder Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen noch die Wohnungs­wirt­schaft entwi­ckeln bzw. betreiben entspre­chende Geschäfts­mo­delle im großen Stil. Daran hat auch das Mieter­strom­ge­setz bisher wenig geän­dert, zumal sich dessen Förde­rung auf PV-Anlagen beschränkt.

Aber auch die Produk­tion von Mieter­strom aus KWK erschließt zusätz­liche Vorteile: Zum Einen durch eine deut­liche Senkung des Primär­ener­gie­ver­brauchs und einer erheb­li­chen CO2-Minde­rung. Zum Anderen könnte laut einer Studie des DVGW e.V. so ein erheb­li­cher Beitrag zur Deckung der Resi­dual­last geleistet werden. Außerdem stellt gerade das KWK-basierte Mieter­strom­mo­dell für Quer­ver­bund­un­ter­nehmen eine attrak­tive Form der Kunden­bin­dung beim Erdgas dar – sowohl im Sinne des Vertriebs, als auch der Netz­nut­zung. KWK verbindet die Sektoren Strom, Wärme und Gas und leistet somit einen wich­tigen Beitrag zur Sekto­ren­kopp­lung inner­halb der Ener­gie­wende. Da es für Mieter­strom­mo­delle auf KWK-Basis bisher keine Förde­rungen gibt, müssen sie aus sich heraus wirt­schaft­lich sein. Ange­sichts der aktu­ellen recht­li­chen und regu­la­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen ist das eine Heraus­for­de­rung.

In der Mieter­strom­werk­statt werden Wege aufge­zeigt, wie Sie den Aufbau eines derart komplexen Geschäfts­mo­dells erfolg­reich reali­sieren können. Es werden Best Prac­tice Beispiele, Ansätze für opti­mierte Prozesse sowie die aktu­ellen recht­li­chen und regu­la­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen vorge­stellt. Dazu kommen zwei Work­shops, in denen Sie eigene Erfah­rungen mit der Planung von Mieter­strom gewinnen können, in Form einer Busi­ness Model Canvas und in der Erstel­lung eines spezi­fi­schen Busi­ness Cases.

Veran­stal­tungs­pro­gramm als PDF

Online-Formular für die Anmel­dung zu diesem Seminar

21Feb/18
Symbolbild: Farbskala im Energieausweis

Ener­gie­aus­weise älterer Gebäude werden dieses Jahr ungültig

Die ersten Ener­gie­aus­weise für ältere Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäude werden Mitte dieses Jahres ungültig. Die ersten seit 2008 ausge­stellten Ener­gie­aus­weis­do­ku­mente hatten eine Lauf­zeit von zehn Jahren. Haus­ei­gen­tümer müssen aber nur dann einen aktu­ellen Ener­gie­aus­weis vorlegen, wenn sie ihr Haus verkaufen, vermieten oder verpachten wollen. Sobald eine Immo­bi­len­an­zeige aufge­geben wird – eine Verschär­fung, die durch die Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEV) bereits 2014 einge­führt wurde – sind Pflicht­an­gaben aus dem Ener­gie­aus­weis anzu­geben. Fort­set­zung